Über das Tigaiga

Sheila Collis - April 2009 im Kanaren Express -  Hotel Tigaiga wird 50  

Das Hotel Tigaiga wurde 1958 fertig gestellt und begrüßte im Dezember seine ersten Gäste. Seine offizielle Eröffnung feierte es im Jahr darauf und so begeht das Tigaiga 2009 seinen 50. Geburtstag.

Die Geschichte des Hotels ist eigentlich die Geschichte der Familie Talg, in dessen Besitz das Hotel seit mittlerweile drei Generationen ist. Bauen ließ das Hotel der Großvater der heutigen Hoteldirektoren, der Deutsche Heinz „Enrique“ Talg-Schulz. Als junger Mann hatte er eine Lehre als Koch und Kellner im Hotel Zum Weißen Ross in Lüneburg absolviert. Nach dem Ersten Weltkrieg ging Heinz TalgSchulz nach Madrid, um im Hotel Palace zu arbeiten. Da die Spanier Probleme hatten, seinen Vornamen auszusprechen, nannte er sich selbst der Einfachheit halber bald „Enrique“. Heinz – alias Enrique - pachtete später das Restaurant des Gran Hotels Peinador in Mondariz, Galizien, wo er auch die Geschäftsführung übernahm. Mondariz war im Sommer für viele Touristen ein beliebter Kurort, aber im Winter war nichts los. Somit war Heinz Talg-Schulz froh, als ihm die Übernahme des Hotels Quisisana in Santa Cruz de Tenerife angeboten wurde.

Im Sommer 1924 wurde Heinz Talg-Schulz und seiner ersten Frau, der Schweizerin Ida Wyss, ihr Sohn Enrique Talg Wyss geboren. Als der kleine Enrique erst acht Jahre alt war, starb seine Mutter und der Junge wurde in die Schweiz geschickt, um bei der Familie seiner Mutter aufzuwachsen. Er kehrte erst nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) nach Teneriffa zurück. Inzwischen hatte Vater Enrique die Geschäftsführung des Hotels Taoro in Puerto de la Cruz übernommen. Nach dem Tod des damaligen Besitzers Gustavo Wildpret nahm er das Hotel in Pacht. 1950 erhielt Enrique die spanische Staatsbürgerschaft. In Puerto de la Cruz gibt es eine Straße, die ihm zu Ehren seinen Namen trägt.

Nach dem Bürgerkrieg wurde Spanien von der Diktatur Francos beherrscht. Der auf den Kanaren stationierte General García Escamez wollte den Tourismus auf den Inseln fördern und deshalb General Franco einen vorbildlichen Empfang auf Teneriffa bereiten. Nur für diesen Zweck ließ er ein neues Hotel errichten – so entstand das Hotel Mencey in Santa Cruz. Führen sollte es die Hotelkette HUSA, die damals führend war in Spanien. Sie zeigte sich interessiert, verlangte aber, dass zwei weitere Hotels auf den Kanaren in die Gruppe eingegliedert werden müssten, damit es sich für sie auszahlte. Und so wurde auch das Hotel Santa Catalina in Las Palmas de Gran Canaria sowie das Hotel Taoro in Puerto de la Cruz in die HUSA-Gruppe aufgenommen. Enrique war davon nicht begeistert. Er erhielt zwar eine stattliche Abfindungszahlung, stand aber ohne Hotel und ohne Job da. Kurz darauf übernahm er die Geschäftsführung des renommierten Hotel Martiánez in Puerto de la Cruz. Seinen Sohn, Enrique Talg Wyss, hatte er im Hotel Taoro angelernt. Außerdem hatte dieser Erfahrungen im Hotel Palace in Madrid und in Hotels in Stockholm, London, Montreux, Sankt Moritz und Algeciras gesammelt, bevor ihn sein Vater 1957 als Assistent der Geschäftsführung im Hotel Martiánez anstellte. Enrique Talg-Schulz fand, dass es an der Zeit war, ein eigenes Hotel zu bauen und überließ seinem Sohn freie Hand bei der Planung des neuen Hotels, das direkt neben dem Hotel Taoro entstehen sollte. Vater Enrique sorgte für die Finanzierung und kümmerte sich um das Anlegen des Gartens. Er war sein Leben lang begeisterter Hobbybotaniker und konnte sich nun im Garten des neuen Hotels verwirklichen. Das Hotel sollte wie ein Balkon über den Dächern von Puerto hängen – mit Blick auf den Teide, Blick über das Orotavatal und Blick aufs Meer. Das neue Hotel hatte anfangs nur zwölf bescheidene Zimmer. Bei der Suche nach einem passenden Namen kamen „Hotel Teide“, „Hotel Talg“, „Hotel Tenerife“ und „Hotel Turí- stico“ in die engere Auswahl. Schließlich fiel die Wahl auf „Hotel Tigaiga“, ein Name aus der Guanchen-Sprache. Das Wort „Tigaiga“ bezeichnete den Felsrücken, der das Orotavatal in Richtung Westen abschließt. Er spielte eine wichtige, symbolische Rolle in der Geschichte der Inseleroberung.

Die ersten Gäste des Tigaiga mussten zum Essen ins Hotel Martiánez gehen, da die Küche bei der Eröffnung des Hotels noch nicht fertig gestellt war. Vater Enrique erlebte die komplette Fertigstellung des Hotels nicht mehr; er starb 1962 an einem Herzinfarkt. Sein Sohn arbeitete weiter im Hotel und schuf Jahr für Jahr Neuerungen und Verbesserungen und so wurde das Tigaiga schnell zu einer der beliebtesten Unterkünfte von Puerto de la Cruz.

1963 wurde das Hotel um 48 Zimmer und einen Speisesaal erweitert (mittlerweile sind es 76 Doppelzimmer und sieben Junior-Suiten). Im folgenden Jahr nahm man den Bau eines Swimming-Pools in Angriff. Er sollte Puertos erster beheizter Pool werden. 1964 heiratete Enrique Talg Wyss die Deutsche Gisela Reineke aus Paderborn. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Ursula, Irene und Enrique. Nach dem Tod von Enrique Talg Senior war die Gartenanlage etwas vernachlässigt worden. Doch Gisela kümmerte sich fortan mit großer Leidenschaft um die Gartenanlage des Tigaiga. Ihr außergewöhnliches Interesse für Botanik in Kombination mit einem grünen Daumen verwandelten die Gärten schnell in ein kleines Paradies, das weit über die Grenzen Teneriffas hinaus bekannt wurde. Botaniker und Hobbygärtner aus der ganzen Welt zog es nach Puerto de la Cruz, um sich die Pflanzenwelt rund um das Hotel Tigaiga anzusehen. Das Hotel zählt mehr Palmen in seiner Anlage als Betten. Für Gäste, ebenso wie für Interessierte, die nicht im Hotel wohnen, liegt eine Broschüre auf, in der die Fauna des Hotelgartens erläutert wird.

Als Gisela Reineke starb, kümmerte sich Tochter Ursula um den Garten. 1999 wurde das Tigaiga Hotel vom Fachmagazin „Top Hotels“ in einem internationalen Fotowettbewerb zum Hotel mit dem weltweit zehntschönsten Garten ausgezeichnet. 2006 hat der Garten durch die Sanierung des Parque de La Sortija direkt vor dem Hotel eine Art Erweiterung erfahren. Die Geschäftsführung des Tigaiga kümmert sich auch um die Pflege von 3.300 m2 Fläche im Besitz des Hotel Taoro. In diesen so genannten „Jardines Carolina“ wachsen endemische Pflanzen. Auf dem „Paseo de Cosquillas“, eine Art Lehrpfad zum Anfühlen, werden die Besucher eingeladen, barfuß über Gras, Vulkangestein, Holz, Kiesel usw. zu laufen.

Nicht nur auf dem Gebiet der Gärtnerei tat sich die Familie Talg hervor. Das Tigaiga Hotel hatte auch in vielen anderen Bereichen die Nase vorn. So war es 1968 das erste Hotel auf den Kanarischen Inseln mit einer Telex Maschine und 1982 das erste, das sich Solarenergie zunutze machte. Enrique Talg Wyss persönliches Steckenpferd war das Wandern. Er liebte es, seinen Gästen die Wanderwege im Orotavatal zu zeigen und er war es auch, der eine Verlängerung der Buslinie 345 bis in das Naturschutzgebiet La Caldera durchsetzte, um Wanderer an den Ausgangspunkt der Wanderungen zu bringen. Enrique Talg, der sich trotz seiner deutsch-schweizerischen Wurzeln immer als Tinerfeño sah und stolz auf die Insel war, verlieh dem Wandertourismus erstmals Bedeutung. So forcierte er auch den Ausbau von Wanderwegen, wobei er sich nicht nur in der Funktion des Hoteliers stark machte, sondern unter anderem auch in seinem Amt als Gemeinderat, als Mitglied des Lions Club und des Rotary Club. 2006 starb Enrique Talg Wyss. Das Hotel hatte er an seinem 80. Geburtstag an seine drei Kinder übergeben, die es bis heute gemeinsam führen.

(Sheila Collis/ Übersetzung: Margot Aigner)